Wir sind zu regelrechten Rückenwindfahrern geworden und warteten deshalb einen Tag in Porvenir, weil anschliessend die Wetterprognose günstig war. So fuhren wir bei gutem Rückenwind und schönem Wetter los. Der Weg führte uns über weite Strecken der Küste der Bahia Inutil entlang. Wir genossen die Sicht aufs Meer, die Delfine, die Pampa mit vielen Schafen und Guanacos und natürlich das lockere Fahren mit der Unterstützung der Windenergie. Der Wind wurde gegen Abend immer stärker und so fragten wir bei einer Estancia nach Unterschlupf. Ganz selbstverständlich hiessen uns die Mitarbeiter willkommen, servierten uns in der warmen Stube Tee und wiesen uns ein eigenes Zimmer zu. Sogar zum Nachtessen luden sie uns ein. So assen wir in einer Runde von sieben Gauchos nebst einer köstlichen Teigwarensuppe auch leckeres Lammfleisch mit Kartoffeln. Geld wollten sie dafür keines, aber dass wir wenigstens den Abwasch erledigen wollten, nahmen sie sehr gerne an.
Gestärkt fuhren wir am nächsten Tag weiter, direkt zur nahe gelegenen Pinguinkolonie. Im Jahre 2010 liessen sich hier an der Bahia Inutil Königspinguine nieder. Seither bleiben sie an diesem Platz und sorgen auch für Nachwuchs. So konnten wir nebst den erwachsenen Pinguinen auch ihre Jungen beobachten. Witzig wie die Pinguine watscheln, Laute von sich geben, baden und faulenzen.
In Cameron fragten wir bei der Municipalidad nach einer Unterkunft im Dorf. Da es keine Unterkunft gibt, sagten sie uns, wir sollen im komfortablen Bushäuschen übernachten, das hätten schon einige gemacht.
Weiter gings auf einsamen Strassen durch weite Pampa und Wälder der chilenisch/argentinischen Grenze beim Paso Bellavista entgegen. Auf der chilenischen Seite war niemand im Zollbüro. Wir mussten zuerst die Zöllner in einer anderen Hütte suchen gehen, bevor wir die Formalitäten erledigen konnten. Die Zollformulare für unsere Velos, welche bei der letzten Einreise nach Chile erstellt wurden, nahmen sie mit Kopfschütteln entgegen und deponierten sie sogleich zerknüllt im Papierkorp. Bei den argentinischen Zollbeamten herschte im gut geheizten Zollgebäude eher Partystimmung mit Fernsehen und Pommes Chips auf dem Tisch. Besonders interessierten sie sich für unser russisches Visum und fragten uns nach einigem Überlegen ob wir unsere Velos in Russland gekauft haben ...
Am Abend erreichten wir Rio Grande und damit zum ersten Mal die Atlantikküste. Hier machten wir zwei Tag Pause bevor wir uns an die letzten paar Tagesetappen nach Ushuaia machten. Wir entschlossen uns die Hauptstrasse soweit wie möglich zu meiden und auf einer Naturstrasse via Lago Yehuin nach Tolhuin zu fahren. Wir genossen noch einmal die Pampa, die Wälder, die Bäche und Seen, die Stille, der Anblick von Estancias, das Beobachten von Tieren und das wilde Zelten beim See.
Die Strecke von Tolhuin nach Ushuaia führt in einem stetigen Auf und Ab durch die Berge, an Flüssen, Seen, Wäldern und Mooren vorbei. Die Wolken hingen tief und ab und zu fiel Nieselregen aber in unserer Vorstellung sahen wir wie wunderschön das Panorama und die Landschaft hier sein muss.
Am Nachmittag erreichten wir Ushuaia, das Ziel unserer Südamerikareise. Ein ganz normaler Radtag ging zu Ende und trotzdem war es für uns ein besonderer Moment, nach so vielen Reisetagen, Eindrücken, Begegnungen und Erlebnissen am Ziel anzukommen.
Weil wir dank guter Gesundheit und ohne grössere Probleme immer gut voran kamen, bleiben uns bis zu unserer Heimreise noch drei Wochen Ferien. Wir freuen uns auf diese Zeit und werden in einem späteren Blog noch davon erzählen.
(bisher 8'994 km)
mit der Fähre ging's über die Magellanstrasse nach Feuerland
das Fleisch aus der Napfregion scheint auch in Patagonien beliebt zu sein ;-)
Wellblech - Romantik im Städtchen Porvenir
die Küstenstrasse ...
... führt an armseligen Fischerhütten vorbei
auf Feuerland weiden viele Schafe ...
... und ebenso viele Guanacos ...
... die Bäume sind windschief ...
... und es gibt viele halb verfallene Estancias ...
... wo wir übernachten durften
Königspinguine in der Bahia Inutil an ihrem wilden Brutplatz ...
... und an ihrem Badeplatz
Pinguine beim Baden ...
... und beim Singen
unsere Unterkunft in Cameron, das Bushäuschen mit WC und Wasserkocher
rostige Maschinen, welche Goldsucher 1910 nach dem Goldrausch hier stehen liessen
die Weite der Pampa in Feuerland
die Estancias sind wie kleine Dörfer
die Atlantikküste in Rio Grande
die für Feuerland typischen Bartbäume
der Lago Yehuin ...
... mit der verfallenen Hotelanlage
typische Wälder ...
... und Biberbauten
der Lago Fagnano mit Steilküsten
bei unserem wilden Zeltplatz am Lago Escondido, mit frisch verschneiten Bergen
ausgedehnte Moorlandschaften an der Strasse nach Ushuaia
beim südlichsten Skigebiet der Welt machten wir Pause
an den Bergen vorbei ...
... erreichten wir unser Ziel Ushuaia :-)